Wegen der Autokrise? Continental streicht in Regensburg 2.100 Jobs Politik und Gewerkschaft üben harsche Kritik an den Plänen des Automobilzulieferers

Regensburg – Eine Nachricht mit Sprengkraft: Continental will 2.100 Stellen in Regensburg streichen! Die Politik ist über die Pläne not amused.

Von Mario Hahn

Viele müssen in diesen Tagen den Gürtel enger schnallen. Auch Continental. Nicht allein die Corona-Krise, viel mehr noch die daraus resultierende Konjunkturkrise in der Automobilindustrie setzt dem Unternehmen zu. Vorstandsvorsitzender Dr. Elmar Degenhart: „Die aktuelle Krise trifft die Zulieferer besonders hart, verlangt uns kurzfristig sehr viel ab und fordert uns auf Jahre bis zum Äußersten.“
Die Kosten müssen runter. Von 2023 an ist mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr an Bruttoeinsparungen angepeilt. Ein Mittel: Stellenabbau. Weltweit plant Continental, von seinen über 200.000 Jobs 30.000 zu streichen, davon 13.000 in Deutschland. Das Regensburger Werk und der dortige Geschäftsbereich Vitesco Technologies bluten mit 2.100 Stellen besonders.

Der Continental-Standort Regensburg ist Entwicklungszentrum für Fahrzeugelektronik und gleichzeitig Pilotstandort für Industrie 4.0-Anwendungen
Foto: Continental AG

Problematisch: Die Region wurde schon durch die Schließung des Conti-Werks in Roding hart getroffen. Sollte der mit 8.000 Beschäftigten zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt (nach BMW) seine Drohung wahrmachen, wäre das „ein Rückschlag für den Wirtschaftsstandort Regensburg“, so CSU-Kreischef Michael Lehner.
Auch die IG Metall kritisierte die Pläne von Continental: „Mit einem derart radikalen Kahlschlag konnte niemand rechnen. Nach Jahren voller satter Renditen hat das Unternehmen keine bessere Idee, als einen hektischen, konzeptlosen Arbeitsplatzabbau anzukündigen“, so Rico Irmischer, Geschäftsführer der IG Metall Regensburg.
Natürlich meldete sich auch die Politik umgehend zu Wort. „Was wir gerade erleben, ist das Ergebnis perfider Gewinnmaximierung auf Kosten der Beschäftigten. So ein radikaler Kahlschlag ist eine überstürzte und verantwortungslose Entscheidung“, erklärten MdB Susanne Ferschl und Eva-Maria Schreiber (Die Linke).
MdL Margit Wild (SPD) erinnerte Continental an seine Verantwortung für die Belegschaft: „Mehr als 2.000 Menschen leben in Angst, Sorge und großer Unsicherheit – das macht mich betroffen.“
MdB Peter Aumer (CSU) und Stefan Christoph, Fraktionsvorsitzender der Regensburger Grünen, forderten, dass sich jetzt „Politik und Konzernleitung an einen runden Tisch setzen müssen“. Anders als in Roding müssten aber auch IG Metall und Betriebsrat mit an den Tisch, so Christoph. „Ein Stellenabbau ist nicht die richtige Antwort auf die großen Herausforderungen im Mobilitätsbereich. Und wenn, dann muss dieser in einem sozialverträglichen Maß geschehen“, schlussfolgerte Aumer.

 

 

Die Pressemitteilungen der Politiker/innen im Wortlaut:

 

Michael Lehner, Vorsitzender CSU-Kreisverband Regensburg Stadt: “Mit großer Sorge blickt die CSU auf die ersten Ankündigungen von ortsansässigen Firmen, im großen Stil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlassen oder die Arbeitsplätze zu verlegen. Das ist dramatisch für die betroffene Belegschaften und strukturell ein Rückschlag für den Wirtschaftsstandort Regensburg. Für die Verantwortlichen in der Autoindustrie ist es höchste Zeit, umzusteuern und Versäumnisse hinsichtlich der Transformation zu alternativen Antriebssystemen aufzuarbeiten. Die Politik ist hierbei bereits behilflich. Ebenso darf man nicht vergessen, dass Bayern allgemein, und Regensburg im Speziellen, Standorte der Hochtechnologie sind, mit höchst qualifizierten Arbeitskräften und Hochschulabsolventen. Dies muss genutzt werden. Diese wirtschaftliche Problematik bestand zweifelsohne schon vor der Corona-Pandemie. Daher ist es zwar erfreulich, dass sich die Lage am Absatzmarkt 2020 mittlerweile stabilisiert hat, aber die Krise ist keineswegs vorbei. „Auch die Stadt Regensburg muss nun wieder verstärkt auf Wirtschafts- und Standortpolitik setzen. Ein ideologisch motiviertes Dauerfeuer gegen die Autoindustrie aus manch politischer Ecke ist hierbei alles andere als hilfreich!”

 

Susanne Ferschl, MdB, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, und Eva-Maria Schreiber, linke Bundestagsabgeordnete für Regensburg: “Was wir gerade bei Continental in Regensburg erleben, ist das Ergebnis perfider Gewinnmaximierung auf Kosten der Beschäftigten. So ein radikaler Kahlschlag ist eine überstürzte und verantwortungslose Entscheidung”, kommentieren die bayerischen Bundestagsabgeordneten der LINKEN, Susanne Ferschl und Eva-Maria Schreiber, den geplanten Stellenabbau bei Continental in Regensburg. Ferschl und Schreiber weiter: “Continental will ab 2023 eine Milliarde Euro einsparen und dafür als erstes Beschäftigte auf die Straße setzen. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Corona-Pandemie stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen, aber einfach den Beschäftigten die Konsequenzen dafür zu übertragen, ist schlichtweg verantwortungslos. Wir können uns nicht dem Eindruck verwehren, dass wieder mal Corona als faule Ausrede benutzt wird, denn die Einsparungspläne gab es schon vorher. Wir solidarisieren uns mit den Beschäftigten. Wir begrüßen die Bemühungen von Ministers Aiwanger, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Massenentlassungen in profitablen Betrieben will DIE LINKE grundsätzlich verbieten, denn in einer Krise gebietet das der Anstand.”

 

Die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild zeigt sich schockiert über die angekündigte Stellenstreichung von Continental: “Mehr als 2.000 Menschen leben in Angst, Sorge und großer Unsicherheit – das macht mich betroffen”. Wild habe Continental in den vergangenen Jahren als wirtschaftlich stabiles Unternehmen wahrgenommen, das im Jahr 2018 noch knapp drei Milliarden Euro Gewinn erwirtschaft hat. “Die Rendite war in den vergangenen Jahren hoch. Dieser Gewinn wurde vor allem durch die Beschäftigten erarbeitet. Diesen Menschen gegenüber trägt das Unternehmen auch Verantwortung. Bislang habe ich Continental auch so kennengelernt, das es sich dieser Verantwortung bewusst ist.”, so die Regensburger Politikerin.” Die IG Metall hat gute Vorschläge eingebracht, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Ich appelliere an die Unternehmensführung, diesen Ideen näher zu treten und möglichst vielen Beschäftigten weiterhin einen Arbeitsplatz zu bieten”, fordert Wild.

 

Stefan Christoph, Fraktions- und Stadtvorsitzender der Regensburger Grünen: „Politik und Konzernleitung müssen sich jetzt an einen runden Tisch setzen.“ Anders als in Roding, müssten aber auch IG Metall und Betriebsrat mit am Tisch sitzen, so Christoph „Es ist unerlässlich, dass auch Vertreter*innen der Beschäftigten an solchen Gesprächen teilnehmen.” Um über die wirtschaftliche Talsohle hinwegzukommen, bringt der Grünen-Fraktionsvorsitzende eine mögliche Arbeitszeitabsenkung ins Spiel: „Eine Absenkung der Arbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche, dafür eine Beschäftigungsgarantie für die Angestellten“, könnte eine Lösung sein. Das sei für alle Beteiligten zwar eine bittere Pille, doch oberstes Ziel sei es hier, Arbeitsplätze nachhaltig zu erhalten.

 

Der Bundestagsabgeordnete Peter Aumer (CSU) zum Stellenabbau bei Continental: „Der Strukturwandel in der Automobilindustrie und die Corona-Pandemie fordern erste harte Konsequenzen für die Region Regenburg“, bedauert der Regensburger Bundestagsabgeordneter Peter Aumer die Entscheidung des Vorstands von Continental. “Ein Stellenabbau ist nicht die richtige Antwort auf die großen Herausforderungen gerade im Mobilitätsbereich. Und wenn, dann muss dieser in einem sozialverträglichem Maß geschehen. Die Region wurde schon durch die Schließung des Werks in Roding hart getroffen. Continental hat auch Verantwortung für die Region Regensburg und die Oberpfalz. Zu dieser muss das Unternehmen stehen!“ so der Bundestagsabgeordnete Peter Aumer. „Von der Leistungsfähigkeit und Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe ich mich bei einem Besuch vor wenigen Wochen selbst überzeugt. Continental muss jetzt sofort in Gespräche mit den Arbeitnehmern, Gewerkschaften und der Politik treten.“ Der Bundestagsabgeordnete fordert hierzu in einem Schreiben an den Vorstandsvorsitzenden Dr. Elmar Degenhardt einen runden Tisch mit allen Beteiligten, bei dem alternative Konzepte erarbeitet werden. „Das ist der Konzern der Region und vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schuldig!“ stellt Aumer klar.

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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