„Wir bewegen uns bis heute auf einem sehr niedrigem Niveau“ Der RVV kämpft gegen sinkende Fahrgastzahlen und fehlende Einnahmen

Aktualisiert vor 3 Wochen von Nadja Pohr

Regensburg – Zwar leerer als sonst, dennoch: Bus und Bahn leisten auch in der Pandemie stoisch ihren Dienst. Dem kundenfreundlichem Service stehen massive Einnahmensverluste aus dem Ticketverkauf gegenüber.

Von Mario Hahn

Wo früher, insbesondere im Berufsverkehr, eine Heerschar an Pendlern durch den Bahnhof eilte, wo an Wochenenden Begrüßungs- und Abschiedsszenen zum normalen Bild gehörten, herrscht nun eine Ruhe, die auch nach mehr als einem Jahr ungewohnt wirkt. Auch nebenan, am Busbahnhof in der Albertstraße, ist an den Bussteigen sehr viel Platz. Der Nahverkehr leidet überall in Deutschland unter der Pandemie. Laut Statistischem Bundesamt ist die Fahrgastzahl in Bus und Bahn um ein Drittel zurückgegangen. Betroffen ist auch der Regensburger Verkehrsverbund (RVV).

10 Mio. weniger RVV-Gäste

Nachdem der ÖPNV in den letzten Jahren kontinuierlich attraktiver umgestaltet – neue Verbindungen, bessere Taktzeiten… – und dieses Engagement belohnt wurde mit ständig wachsender Auslastung, sank die Fahrgastzahl im RVV-Gebiet von rund 40 Millionen im Jahr 2019 auf nur noch 30 Millionen im vergangenen Jahr.
Ein Aufschwung ist nicht in Sicht. Auch aktuell sei die Auslastung sehr gering, informiert Kai Müller-Eberstein. Der RVV-Geschäftsführer weiß: „Wegen dem Lockdown sind nur sehr wenige Schüler im Präsenzunterricht und viele Arbeitnehmer sind im Homeoffice.“ Zudem fallen Gelegenheitsfahrgäste weg. Ein Minus im Ticketerlös ist die Folge.

8 Mio. Euro Corona-Minus

2020 fehlten dem RVV acht Mio. Euro Einnahmen aus dem Ticketerlös. „Erfreulicherweise wurde von Bund und Freistaat ein Sonderprogramm zur Unterstützung des ÖPNV vereinbart. Wir gehen davon aus, dass mit dieser Unterstützung 90 Prozent des zusätzlichen Defizits ausgeglichen werden können. Andernfalls wäre es kaum möglich gewesen, das Angebot in bewährter Qualität aufrechtzu- halten“, betont Müller-Eberstein.
Da ein gut ausgebautes ÖPNV-Angebot sich nicht allein durch Ticketeinnahmen finanzieren lässt, übernehmen Städte und Landkreise einen nicht unerheblichen Teil der Kosten.

„Die Frage ist doch: Will ich die ökologische Verkehrswende oder nicht?“

Blizz: Die Auslastung der Busse ist sehr gering, der RVV hält sich trotzdem an den regulären Fahrplan. Macht das ganze ökologisch und ökonomisch Sinn?

Kai Müller-Eberstein: Die eigentliche Frage ist doch: Möchte ich ein unattraktives – dafür günstiges – Bus- und Bahn-Angebot oder will ich die ökologische Verkehrswende auf den Weg bringen? Wenn nur ein Minimal-Angebot z. B. für Schulfahrten zur Verfügung gestellt wird, dann erreicht man damit keine neuen Kundengruppen. Die Taktung ist viel zu unattraktiv – aber das Angebot sicherlich ökonomisch gut darstellbar, da wenige Busse zur Hauptverkehrszeit unterwegs sind und diese sehr gut besetzt sind. Aber erst wenn ich als Kunde auf ein verlässliches und gut ausgebautes Angebot auch in den Nebenzeiten zurückgreifen kann, bin ich auch bereit, das Auto stehen zu lassen und auf den umweltfreundlichen ÖPNV umzusteigen. Ein guter Taktverkehr kostet aber eben nun mal deutlich mehr Geld, weil eben die Fahrzeuge nicht immer zu 100 Prozent ausgelastet sind und dementsprechend weniger Fahrgelderlöse erzielt werden können. Hinzu kommt, dass neue Angebote immer auch Zeit benötigen, bis sie von Kunden angenommen werden – auch diese Zeiten mit geringerer Nachfrage müssen finanziert werden. Klar ist doch, dass ohne einen attraktiven und eben auch kostenintensiveren ÖPNV die Menschen nicht zum Umsteigen bewegt werden und die notwendige Verkehrswende dann nicht umgesetzt werden könnte.

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Kai Müller-Eberstein, Geschäftsführer des RVV.
Foto: Stefan Hobmaier

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Nadja Pohr

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