Hassobjekt Laubbläser Warum Kommunen umdenken sollten

Aktualisiert vor 1 Woche von Daniel Popp

München (dpa/lby) – Laubbläser lärmen und stinken – doch möglicherweise zeichnet sich eine Trendwende hin zu Rechen und Besen ab. «Wir bekommen seit einiger Zeit mehr Nachfragen, was man gegen die Laubbläser unternehmen kann», sagte Markus Erlwein, Sprecher des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV).

Seit dem Volksbegehren zur Artenvielfalt in Bayern vor eineinhalb Jahren habe sein Verband ein Umdenken in manchen Kommunen und bei Privatleuten festgestellt. Naturschutz sei nun präsenter. Vielleicht sei auch in der Corona-Krise die «Sensibilität der Menschen etwas höher, weil die Leute zuhause arbeiten und ihnen die lauten Geräte mehr auffallen».

Benzingetriebenen Bläser seien mit rund 100 Dezibel so laut wie Presslufthammer oder Kettensägen, sagte Erlwein. «Der Lärm scheucht in der kalten Jahreszeit Vögel auf. Aber die müssen bei Kälte eigentlich auf ihren Energiehaushalt aufpassen.» Für viele Insekten und Kleintiere ende der Luftstrom tödlich, etwa für Spinnen, Asseln und Schmetterlingslarven. Noch schlimmer als Bläser seien Laubsauger. «Da werden kleine Tiere bis hin zu Igeln regelrecht zerhäckselt.»

Menschen mit Garten sollten nicht immer gleich mit Maschinen anrücken: «Ich wünsche keinem, dass er einen Nachbar mit Laubbläser hat», sagte Erlwein. Ein Garten müsse nicht bis auf das letzte Blatt leer geräumt werden. Denn die Blätter bieten Tieren im Winter Unterschlupf und Nahrung. Mit einem Laubhaufen kann man Igeln zum Beispiel ein richtiges «Hotel» bauen.

Kommunen sind verpflichtet, Laub dort wegzuräumen, wo es eine Gefahr ist. Denn sonst könnten Fußgänger, Radfahrer und Autos darauf ausrutschen. Die Bläser würden angeschafft, weil sie bequemer seien, sagte Wilfried Schober vom Bayerischen Gemeindetag. «Und dann beginnt der Ärger. Die Leute sagen: Wegen drei Bladl machen die einen Riesenlärm und stinken. Dass die sich nicht schämen und es nicht mit Muskelkraft zusammenzukehren.» Mehrere Kommunen würden nun keine neuen Laubbläser mehr anschaffen und die alten «auslaufen lassen». «Dann muss man zum Kehrbesen und Rechen zurückkehren.» Oder sie setzen auf Elektrogeräte, die leiser sind.

Die Stadt München weist darauf hin, dass der Einsatz der umstrittenen Geräte «auf ein Mindestmaß beschränkt» sei. «Laubbläser werden durch die Stadt grundsätzlich sensibel, sparsam und nur zu einem genau festgelegten Zeitraum im Herbst eingesetzt», erklärte das Baureferat. Die Straßenreinigung habe etwa 70 überwiegend elektrisch betriebene Laubbläser in Betrieb.

Verzichten will man auch in kleineren Städten nicht. So heißt es in Bamberg. «An einen Verzicht ist derzeit nicht gedacht, da die angebliche Umweltschädlichkeit zu relativieren ist», erklärte die Stadt. Im Gegensatz zu Laubsaugern seien die Bläser nicht tierschädlich und durch den zunehmenden Einsatz von Akkugeräten auch leiser und abgasfrei als früher.

Daniel Popp

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