Unternehmen baut Mehrfamilienhaus mit dem 3D-Betondrucker Das größte gedruckte Wohnhaus Europas

Aktualisiert vor 1 Woche von Daniel Popp

Weißenhorn (dpa/lby) – In Schwaben soll mit einem 3D-Betondrucker in den nächsten Wochen ein komplettes Mehrfamilienhaus entstehen.

Nach Angaben des Bauzulieferers Peri aus Weißenhorn (Landkreis Neu-Ulm) wird es sich bei dem 380 Quadratmeter großen Gebäude um das größte gedruckte Wohnhaus Europas handeln. Nach etwa sechs Wochen soll das Gebäude fertiggedruckt sein.

Das Haus mit drei Stockwerken und fünf Wohnungen entsteht in einem Ortsteil von Weißenhorn. Im September hatte das schwäbische Unternehmen bereits in Beckum in Nordrhein-Westfalen (NRW) ein zweigeschossiges Einfamilienhaus per 3D-Drucker errichtet.

Laut der dortigen Landesregierung war dies Deutschlands erstes Wohnhaus aus dem 3D-Drucker. Das Land NRW hatte das Projekt in Westfalen mit 200 000 Euro gefördert, um die neuartige Bautechnik in der Praxis anzuwenden. «Von dem Pilotprojekt in Beckum werden Ergebnisse und Erfahrungen erwartet, die beispielgebend für die gesamte Baubranche sein dürften», berichtete das Bauministerium Nordrhein-Westfalen damals.

Auch die Technische Universität (TU) in Dresden entwickelt seit 2014 ein Beton-3D-Druckverfahren, das künftig auf Baustellen eingesetzt werden kann. «Um Bauwerke autonom mittels Beton-3D-Druck herstellen zu können, müssen die anspruchsvollen Randbedingungen der Bauprozesse inhaltlich und maschinell beherrscht werden», erklären die TU-Forscher. Die Baumaschine müsse dafür insbesondere über ein spezielles Datenmanagement verfügen.

Das Familienunternehmen Peri sieht in dem 3D-Druck ebenfalls einen neuen Marktbereich. Bislang ist Peri mit seinen weltweit mehr als 9500 Mitarbeitern insbesondere als Hersteller von Baugerüsten bekannt und fertigt zudem Schalungssysteme, die bei der klassischen Herstellung von Betonelementen benötigt werden.

Mit dem Mehrfamilienhaus wolle Peri seine Position als führendes Unternehmen im Bereich 3D-Betondruck festigen, sagte Marketing-Geschäftsführer Thomas Imbacher. Vor zwei Jahren hatte Peri sich an einem Hersteller von 3D-Betondruckern in Dänemark beteiligt. Im vergangenen Sommer hatte Peri dann den ersten eigenen Betondrucker zur Herstellung von Fertigbauteilen ausgeliefert.

Der Drucker, der bei dem Mehrfamilienhaus eingesetzt wird, wird von zwei Arbeitern bedient. In fünf Minuten kann das Gerät einen Quadratmeter Wand drucken.

Das Unternehmen erzielte 2019 einen Jahresumsatz von fast 1,7 Milliarden Euro, detaillierte Bilanzzahlen gibt Peri nicht bekannt.

Wer sich ein Zuhause schafft, steht oft vor vielen Fragezeichen

Daniel Popp

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