Osterbotschaft von Pater Franz Schmidberger

„Christus ist erstanden – ja, er ist wahrhaft auferstanden.“ So begrüßt man sich in Russland am Ostermorgen. Selbst der marxistische Atheismus konnte in diesem Land die Bezeichnung für den Sonntag als Tag der Auferstehung – voskresenjie – nicht auslöschen. Aber wie sieht es in der übrigen Welt, wie sieht es in den Herzen der Menschen einschließlich vieler Russen aus? Der Glaube an das Osterereignis als historisch-physische Tatsache ist fast ganz erloschen, und nur wenige unserer Zeitgenossen leben aus dem österlichen Geheimnis als geistige Auferstehung, Erneuerung und Heimkehr zu Gott. Die Religion des vom Glauben erleuchteten Verstandes ist einer Religion der nichtssagenden Gefühle gewichen.

Dagegen bezeugen alle vier Evangelien eindeutig die leibliche Auferstehung des Gekreuzigten nach dreitägiger Grabesruhe. Er erscheint den Frauen auf dem Rückweg vom leer vorgefundenen Grab, ebenso dem Petrus, den Emmaus-Jüngern, den Aposteln zweimal im Abendmahlssaal, er lässt sich von ihnen betasten, isst in ihrer Gegenwart, fordert Thomas auf, den Finger in das Mal der Nägel und die Hand in die Seitenwunde zu legen, zeigt sich ihnen nochmals am See Genezareth und auf einem Berg in Galiläa. Es gibt wenige geschichtliche Ereignisse aus der Zeit vor 2.000 Jahren, die so gut bezeugt wären.
Warum aber laufen liberale Geister und moderne Theologen gegen diese Tatsache Sturm? Weil nie ein Mensch aus eigener Kraft nach dem Tod zum Leben zurückgekehrt ist, ja, dass dies schlechthin unmöglich ist. Die Auferstehung Christi ist der untrügliche Beweis seiner Gottheit, denn nur Gott als Herr über Leben und Tod kann das entflohene Leben zurückgeben.
Die Konsequenzen liegen auf der Hand: Ist der gekreuzigte und auferstandene Herr wahrer Sohn Gottes, Gott mit dem Vater und dem Heiligen Geist, dann ist jedes seiner Worte unfehlbar wahr, jedes seiner Gesetze unbedingt zu befolgen, jede seiner Einrichtungen eine göttliche Stiftung, insbesondere die hl. Kirche mit ihren sieben Sakramenten, ihrem Opfer der Altäre und ihrem Priestertum.
In aller Deutlichkeit legt der hl. Paulus im 15. Kapitel des ersten Korintherbriefes diese Wahrheit dar: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig; dann seid ihr noch in euren Sünden, und auch die in Christus Entschlafenen sind verloren. Wenn wir nur in diesem Leben unsere Hoffnung auf Christus setzen, dann sind wir die beklagenswertesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferstanden. Er ist der Erstling der Entschlafenen. Durch einen Menschen ist der Tod gekommen. Durch einen Menschen kommt die Auferstehung der Toten“ (1 Kor 15,17-22).
Daraus ergeben sich wiederum reiche und tiefgreifende Folgerungen für das christliche Leben. Wir sind in der Taufe mit Christus der Sünde gestorben, begraben und zu einem neuen Leben auferstanden (Röm 6. Kapitel). Ein Lebens-, Liebes-, aber auch Leidensband verbindet uns mit dem Herrn. Wir sind Glieder an jenem Leibe, wo er das Haupt ist, Zweige am göttlichen Rebstock, vom gleichen Saft durchflutet. Weil unsere geistige Auferstehung so eng mit der Auferstehung des Gottmenschen verbunden ist, kann der Völkerapostel Paulus sagen: „Wenn die Toten nicht auferstehen, so ist auch Christus nicht auferstanden“ (1 Kor 15,16). Darum mahnt uns der hl. Leo der Große: „Lasst uns ablegen den alten Menschen mit seinen Werken! Da wir teilnehmen dürfen an Christi Leben, wollen wir den Werken des Fleisches entsagen! Erkenne deine Würde, Christ! Der göttlichen Natur bist du teilhaftig geworden; darum hüte dich, durch einen unwürdigen Wandel in die alte Armseligkeit zurückzufallen! Bedenke, an welchem Haupt und Leib du ein Glied bist! Denk daran, dass du der Macht der Finsternis entrissen und in Gottes Licht und Reich versetzt bist.“
Diese Ermahnung gilt auch für die Zeit der Corona-Krise, die uns allen so schmerzliche Einschränkungen auferlegt. Aber vielleicht sind gerade diese Tage und Wochen ein besonderes Gnadenangebot, um zum Glauben unserer Väter, zum Gebet in der Familie, zu christlichen Grundsätzen und zu einem Leben zurückzukehren, wie es geistig Auferstandenen gebührt. Vergessen wir nicht: Am Osterabend hat der Herr im Abendmahlssaal das Beichtsakrament eingesetzt, das beim Rückfall in die Sünde zu einer zweiten Rettungsplanke wird und die Rückkehr in die Liebesgemeinschaft mit dem Herrn ermöglicht.
Als eines Tages im marxistischen Russland ein Redner in einem vollen Saal über den Atheismus als einzig richtige Sicht der Welt und der Gesellschaft referierte, da trat am Ende des Vortrags ein alter Mann an das Rednerpult und sagte: „Aber Christus ist von den Toten auferstanden“, und der ganze Saal wiederholte: „Christus ist auferstanden – Christus ist wahrhaft auferstanden.“ Die atheistische Propaganda war besiegt.

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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