„Das gab es in 130 Jahren SSV Jahn noch nie“ Jahn-Geschäftsführer Christian Keller verspricht im Interview einen „offenen Pokalfight“

Aktualisiert vor 2 Monaten von Nadja Pohr

Regensburg – Der Jubel nach dem Sieg im DFB-Pokal gegen den 1. FC Köln war grenzenlos. Jetzt steht der SSV Jahn vor seiner nächsten Hürde. Doch auch der SV Werder Bremen, zwar ein etablierter Erstligist, „kocht auch nur mit Wasser“, betont Jahn-Geschäftsführer Christian Keller.

Von Mario Hahn

Blizz: Der SSV Jahn feierte mit dem Weiterkommen im DFB-Pokal einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Wie bewerten Sie als Geschäftsführer Sport das bisher Erreichte?

Christian Keller: Wir freuen uns natürlich sehr darüber, mit dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals einen weiteren historischen Erfolg erreicht zu haben. Das gab es in über 130 Jahren SSV Jahn bzw. in der DFB-Pokalhistorie noch nie und ist deshalb etwas ganz Besonderes für uns. Gleichermaßen wissen bei uns intern aber auch alle Akteure, dass der DFB-Pokal eine reine, wenn auch sehr schöne Zugabe ist. Entscheidend ist das Abschneiden in der Meisterschaft, in der wir den vierten Klassenerhalt in Serie in der 2. Bundesliga anstreben.

Gegen Bremen nimmt der Jahn erneut die Rolle des Underdogs ein. Das scheint der Mannschaft zu gefallen, und mal ehrlich: Die Reise im DFB-Pokal muss am Dienstag doch noch lange nicht zu Ende sein!?

Wir werden dem SV Werder Bremen – so wie jedem anderen Gegner auch – mit Respekt und Achtung entgegentreten. Bremen ist ein seit Jahrzehnten etablierter Erstligist, der in seiner Club-Historie bereits viele große Erfolge feiern konnte. Gleichzeitig wissen wir aber auch um unsere eigenen Stärken. Wenn es uns gelingt, diese Stärken auf den Platz zu bringen, werden wir Bremen einen offenen Pokalfight liefern. Denn am Ende kochen alle, auch ein etablierter Erstligist, nur mit Wasser.

Der Verein kann sich dank des historischen Triumphs über eine große Prämie freuen. Geld, das der Jahn wegen Corona und den daraus resultierenden Verlusten gut brauchen kann. Werden Sie das Geld in „Steine“ oder in „Beine“ investieren?

Die Qualifikation für das Viertelfinale hat uns eine Prämie bzw. Mehreinnahme in Höhe von 1.050.000 Mio. Euro beschert. Diese Mehreinnahme werden wir aber weder in „Beine“, noch in „Steine“ investieren. Das Geld dient einzig und allein dazu, bestehende Umsatzeinbrüche zu reduzieren. Wir verlieren aufgrund der Pandemie in der laufenden Saison 2020/21 durch das Verbot von Zuschauern allein in den Ertragsfeldern Ticketing und Hospitality über 5,1 Mio. Euro. Hinzu kommen signifikante Einbußen in Sponsoring und Merchandising.
Es hätte ein so zauberhafter Abend werden können: Ein ausverkauftes Jahnstadion, eine ausgelassene Atmosphäre…, doch die Corona-Pandemie macht all dem einen Strich durch die Rechnung.

Mal angenommen, es gäbe einen Fußball-Gott: Was würden Sie Ihm jetzt schreiben?

Ich bin äußerst dankbar, dass wir im Unterschied zu vielen anderen Branchen und Unternehmen das Privileg besitzen, trotz der Pandemie unseren Geschäfts- und Spielbetrieb – wenn auch mit einschneidenden Beschränkungen – aufrechterhalten zu dürfen. Denn ohne den Spielbetrieb unserer Profimannschaft würde keine Existenzgrundlage für den SSV Jahn bestehen. Insofern würde ich dem „Fußball-Gott“ in erster Linie ein extrem großes Dankeschön aussprechen und ihm danach noch als Bitte mitgeben, dass er mithelfen soll, dass die gesamte Gesellschaft der Pandemie erfolgreich Einhalt gebieten wird und damit auch möglichst bald wieder Zuschauer zurück ins Jahnstadion dürfen. Die Menschen im Stadion sind das emotionale Herzstück des Profifußballs. Ohne die Menschen im Stadion ist Profifußball deshalb auch auf lange Sicht nicht darstellbar.

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Nadja Pohr

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