Die Corona-Krise sorgt für große finanzielle Engpässe Eisbären-Chef Christian Sommerer: „Der Eishockey-Standort Regensburg hat ein generelles Problem“

Regensburg – Corona hat die Vereine der Eishockey-Oberliga hart getroffen. Auch die Eisbären leiden unter den verpassten Einnahmen aus den abgesagten Playoffs. In dieser schwierigen Zeit sind gute Freunde wichtiger denn je. Aus diesem Grund verlängern der Regensburger Traditionsverein und der Blizz ihre gemeinsame Zusammenarbeit.

Von Mario Hahn

Blizz: Herr Sommerer, in der Donau-Arena ist es mucksmäuschenstill. Keine Eishockey-Mannschaft, keine Trainer, keine Betreuer – keiner ist da in der Heimstätte der Eisbären Regensburg. Sogar in der Geschäftsstelle brennt kein Licht mehr. Das heißt aber nicht, dass Sie tatenlos sind. Was macht der Eisbären-Geschäftsführer während der Corona-Krise?
Christian Sommerer: Das gesamte Team der Geschäftsstelle arbeitet härter als zuvor. Wir stellen die Weichen für die kommende Saison, arbeiten an allen Fronten und möchten den Eishockey-Standort Regensburg nachhaltig in eine gesicherte Zukunft führen. Hierzu führen wir intensive Gespräche mit unseren Partnern und Sponsoren, aber auch der Politik, mit der wir uns seit einem Jahr im Dialog befinden. Zudem arbeiten wir im Hintergrund an einigen grundlegenden sehr großen und bedeutenden Veränderungen in der Struktur des Unternehmens. Diese nehmen seit Wochen enorm viele meiner Ressourcen in Anspruch.

Das plötzliche Saisonende sorgt für klamme Kassen bei vielen Vereinen der Oberliga. Machen Sie sich Sorgen um den Eishockey-Standort Regensburg?
Der Eishockeystandort Regensburg hat ein generelles Problem, da wir hier seit Jahrzehnten mit nicht von uns verschuldeten Standortnachteilen zu kämpfen haben, im Vergleich zu all unseren Liga-konkurrenten. Unsere Einnahmensäulen stimmen nicht, dies betrifft zum Beispiel das Catering an den Spieltagen in der Arena, von dem wir nicht partizipieren. Auch die Business-Bereiche in der Arena sind absolut nicht ausreichend und entsprechen nicht mehr dem Stand der Zeit. Wir können den Parkplatz an den Spieltagen nicht vermarkten. Das gesamte Mietmodell war seit jeher nicht dem Geschäftsmodell Eishockey angepasst. CSU und Brücke hatten die Beseitigung dieser Standortnachteile sogar in ihren Wahlprogrammen. Wir stehen auch in direktem Austausch und Gesprächen mit der Oberbürgermeisterin Frau Maltz-Schwarzfischer und unserem Hallenbetreiber, dem das Stadtwerk.Regensburg.

Wie stellt sich die Vertragssituation bei den Spielern, Trainern, Betreuern etc. dar? Wird es eine (konkurrenzfähige) Eisbären-Mannschaft nach Corona geben?
Ja, davon gehen wir aus. Unser Team hat ab November unter Trainer Max Kaltenhauser und Co-Trainer Stefan Schnabl gezeigt, wozu es in der Lage ist und sich in einer historischen Saison in 108 Tagen vom Abstiegsplatz zum Meistertitel gekämpft. Einen Großteil des Kaders hatten wir ja bereits unter Vertrag, lediglich die Verhandlungen mit den wenigen offenen Positionen sind nun einstweilig unterbrochen.

In dieser tristen Zeit sind sportliche Erfolgsmeldungen Balsam für die Eisbären-Seele. Gerade erst wurden die Jung-Eisbären vom Deutschen Eishockey-Bund wieder mit fünf Sternen zertifiziert. Auf den eigenen Nachwuchs kann Regensburg hundertprozentig setzen, oder?
Unser Nachwuchs ist unser Fundament und unsere Zukunft. Mit dem Kauf eines drittel Anteils am Regensburger Sportinternat der Legionäre, der durch eine Spende hierfür finanziert wurde, hat der EVR- Stammverein hier einen weiteren enormen Schritt nach vorne gemacht. Aktuell sind nur wir und die Kölner Haie in Deutschland Anteilseigner eines eigenen Internats. Wir sind uns sicher, die beste Zeit des Regensburger Eishockeys liegt noch vor uns!

Im deutschen Fußball wird von Geisterspielen gesprochen. Könnten Sie sich auch im Eishockey einen Spielbetrieb ganz ohne Zuschauer vorstellen? Oder ist das gar unabdingbar, mindestens für eine gewisse Zeit lang?
Das ist im Eishockey mangels Fernsehgeldern wie beim Fußball kaum möglich. Die Erst- und Zweitligisten im Fußball erhalten zusammen laut DFL in der Saison 20/21 1,4 Milliarden Euro Fernsehgelder. Wir nichts. Geisterspiele sind im Eishockey sehr schwierig zu realisieren, da die Zuschauereinnahmen eine enorm wichtige Einnahmesäule sind, um den Spiel- und Geschäftsbetrieb zu finanzieren. Bricht diese Einnahmesäule weg, ist das Unternehmen nicht mehr zu betreiben.

Wichtig ist, dass man in dieser schwierigen Zeit verlässliche Partner hat. Aus diesem Grund haben Sie jetzt auch die Medienpartnerschaft mit unserem Blatt um zwei Jahre verlängert. Wie sieht die künftige Zusammenarbeit zwischen den Eisbären und dem Blizz aus und welche Synergieeffekte erhoffen Sie sich?
Der Blizz und die Eisbären haben eine tolle Partnerschaft. Dank der exzellenten und jederzeit auch spontanen Zusammenarbeit mit Frau Hirsch ist es uns möglich, kurz- wie langfristig kreative Aktionen für beide Seiten zu planen und umzusetzen. Der Blizz und die Eisbären passen einfach gut zusammen und wir freuen uns sehr auf die weitere Zusammenarbeit!

Eisbären-Geschäftsführer Christian Sommerer und Blizz-Verlagsleiterin Caroline Hirsch. „Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.“

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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