Mersad Selimbegovic: „Wir werden von Woche zu Woche besser“ Vor dem Start in der 2. Fußball-Bundesliga: Der Cheftrainer des SSV Jahn Regensburg im großen Blizz-Interview

Regensburg – Der SSV Jahn bestreitet am Sonntag beim 1. FC Kaiserslautern die erste Runde des DFB-Pokals. Am folgenden Freitag startet Regensburg mit einem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg in die neue Saison der 2. Liga. Sind die Rothosen gut gerüstet für die anstehenden Aufgaben? Wie lief die Vorbereitung? Wie wirkt sich die Corona-Pandemie aus? Hierüber und vieles mehr haben wir mit Chef-Trainer Mersad Selimbegovic geredet.

Von Mario Hahn

Hallo Mersad, wie lief die Saisonvorbereitung?
Die Saisonvorbereitung lief natürlich nicht ganz optimal, weil wir den ein oder anderen personellen Ausfall zu kompensieren hatten. Dennoch haben wir vieles umsetzen können, vor allem was die Integration der neuen Spieler und die Vermittlung der Jahn-Spielidee an sie angeht. Obwohl die Ergebnisse in den Testspielen eher durchwachsen waren, haben uns diese Partien sehr geholfen, weil wir aus ihnen wichtige Erkenntnisse für den Start in die Saison 2020/21 ziehen konnten.

Wie genau verlief die Integration der neuen Spieler?
Das verläuft bei uns ja bereits seit Jahren sehr reibungslos. Die Jungs, die schon da sind, spielen dabei eine wichtige Rolle, weil sie die Neuzugänge sehr gut und schnell in die Mannschaft aufnehmen. Ganz wichtig ist auch die Auswahl der neuen Spieler: Wir versuchen im Scouting und in unseren Gesprächen Charaktere zu finden, die hundertprozentig zu uns passen. Wenn die Mannschaft diese Jungs dann so gut aufnimmt, geht die Integration eben schnell. Ich habe den Eindruck, dass sich alle neuen Spieler schon sehr wohl fühlen in Regensburg und dass sich alle sehr gut mit dem Jahn und unserer Spielidee identifizieren können.

Hat sich ein Spieler in der Vorbereitung besonders hervorgetan?
Es wäre unfair, wenn ich jetzt den ein oder anderen rauspicken würde. Ich habe bei mehreren Jungs Fortschritte gesehen, aber das hat mich nicht unbedingt überrascht, weil ich von dem ein oder anderen auch erwartet habe, dass er den nächsten Schritt macht. Am Ende seiner Entwicklung ist aber noch keiner. Die Jungs haben viel Potenzial, es fehlt teilweise aber noch an der Erfahrung auf diesem Niveau. Potenzial in Erfahrung umzusetzen ist ein Prozess, der immer Zeit braucht. Dabei begleiten wir die Jungs. Wir sind guter Dinge, dass das von Woche zu Woche und von Spiel zu Spiel besser wird. Aber auch wir werden erst dann wirklich wissen, wo wir als Einzelne, aber auch als gesamte Mannschaft stehen, wenn es dann richtig losgeht.

Du hast die Testspielergebnisse angesprochen. Die waren nicht optimal.
Das stimmt natürlich mit Blick auf die Resultate, für die es jedoch auch gute Gründe gibt. Wir haben uns in dieser Vorbereitung durchweg mit starken Gegnern gemessen und zum Beispiel direkt mit einem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg begonnen. Aufgrund unserer Ausfälle konnten wir die Belastung und Spielzeiten leider nicht ganz so verteilen, wie wir das mit dem kompletten Kader vor hatten, und mussten immer wieder umbauen. Das hat sich dann natürlich auch auf die Ergebnisse ausgewirkt. In einer Vorbereitung ist vor allem wichtig, dass wir die die gezeigten Leistungen entsprechend beurteilen und einordnen. Aus meiner Zeit als Spieler und Trainer weiß ich, dass die Ergebnisse in Testspielen oftmals keine bzw. nur wenig Aussagekraft haben. Wichtig sind die Leistung und die Leistungssteigerung von Spiel zu Spiel. Diese positive Entwicklung sehen wir gerade. Mit der gegen Augsburg gezeigten Leistung war ich einverstanden, auch das zurückliegende Wochenende war ein Schritt in die richtige Richtung.

Im DFB-Pokal tretet ihr am Sonntag in Kaiserslautern an. Wie schätzt du den Gegner ein?
Das ist auch als Drittligist ein Verein mit einem großen Namen und großen Ambitionen, der sich auch entsprechend aufstellt. Uns allen ist klar, dass das ein schweres, aber auch ein machbares Los ist. Uns erwartet in Kaiserslautern eine echte Herausforderung, aber wir wollen natürlich unbedingt gewinnen und im Pokal eine Runde weiterkommen.

Die letzten zwei Mal war bereits in der 1. Runde Schluss. Für das Selbstvertrauen und in finanzieller Hinsicht wäre ein Weiterkommen wichtig.
Ein Weiterkommen wäre in erster Linie deshalb wichtig, weil wir trainieren und spielen, um zu gewinnen. Natürlich sind wir uns bewusst, dass ein Weiterkommen auch aus finanzieller Hinsicht wichtig ist, in der aktuellen Zeit umso mehr. Die eigentliche Spielvorbereitung beeinflusst das aber nicht wirklich. Unser Fokus liegt einfach auf unserer Leistung und darauf, wie wir die Partie für uns entscheiden können.

Am ersten Spieltag wartet im Jahnstadion der 1. FC Nürnberg (18.9., 18.30 Uhr). Die Franken haben in der Sommerpause mächtig aufgerüstet. Benötigt Dein Kader auch noch den ein oder anderen Neuzugang?
Nürnberg hat sich auf jeden Fall personell verstärkt und möchte natürlich unbedingt eine deutlich bessere Saison als zuletzt spielen. Aber auch wir sind von der Qualität unseres Kaders überzeugt. In der Vorbereitung hatten wir mit den bereits angesprochenen personellen Ausfällen zu kämpfen, aber ich bin mir sicher, dass wir zum ersten Spieltag eine schlagkräftige Mannschaft auf den Platz bringen werden.

Wegen der Corona-Pandemie ist unklar, wann wieder Zuschauer ins Stadion dürfen. Ist das für die Jahn-Elf, die auch von der Emotion lebt, ein großer Nachteil?
Ich glaube, dass das für jede Mannschaft ein Nachteil ist. Für uns vielleicht noch ein bisschen mehr, weil die Art und Weise, wie wir spielen, immer emotio-nal ist. Wir führen viele Zweikämpfe, machen viele Sprints im Spiel und das fällt uns leichter, wenn das Stadion voll ist und wir die Energie von den Rängen spüren, wenn wir unsere Fans mitnehmen können. Man hat in den letzten Jahren ja gemerkt, wie schwer es für die Gegner war, hier im Jahnstadion Regensburg, in dem wir die Hans Jakob Tribüne im Rücken haben, Punkte mitzunehmen. Deshalb hoffen wir natürlich auch, dass möglichst bald in der gesamten Gesellschaft noch mehr Normalität einkehren kann und wir wieder vor Zuschauern spielen werden, weil Fußball am Ende vor allem Emotion ist. Für die Spieler, aber auch für die Leute, die ins Stadion kommen, um ihre Mannschaften zu unterstützen

Das Saisonziel lautet wie immer Nichtabstieg?
Es ist ganz wichtig, dass wir weiter bei uns bleiben und nie vergessen, wo wir herkommen. Wir gehen jetzt in das vierte Jahr 2. Bundesliga, das ist nach wie vor ein großes Geschenk für uns als Club. Mit Blick auf die Qualität der Konkurrenz kann unser realistisches Ziel auch in dieser Spielzeit nur sein, so schnell wie möglich 40 Punkte zu erreichen und damit erneut den Klassenerhalt zu sichern.

Daniel Popp

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