Rote Karte für Fehlentscheidungen?

Der Regensburger FIFA-Schiedsrichterassistent Eduard Beitinger erklärt zum WM-Start den Video-Beweis

Regensburg – Spätestens seit der umstrittenen Entscheidung im DFB-Pokal-Finale zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München fragen sich viele Fußball-Fans, wie der Video-Beweis denn nun genau funktioniert. Exklusiv zur WM und der Video-Premiere bei der WM erklärt der Regensburger FIFA-Schiedsrichterassistent Eduard Beitinger, wann, weshalb und warum der Video-Schiedsrichter seinen Kollegen auf dem Feld auf gewisse Situationen aufmerksam macht.

Von Matthias Dettenhofer

Blizz: Edi, kannst Du mir und unseren Lesern bitte erklären, wann der Video-Assistent konkret ins Spiel kommt?

Eduard Beitinger: Das ist klar geregelt. Der Video-Assistent überprüft jede Rote Karte, ob der richtige Spieler eine Verwarnung erhalten hat und jede Elfmetersituation. Und natürlich jedes Tor. Konkret wird überprüft, ob im Vorfeld eine Regelwidrigkeit, wie ein Foul oder eine Abseitssituation, vorgelegen hat.

Um noch einmal konkret auf das Pokalspiel Frankfurt gegen Bayern einzugehen (Elfmeter-Situation kurz vor Spielende): Warum hat der Schiedsrichter trotz Eingreifens des Video-Assistenten nicht auf Strafstoß entschieden?

Der Video-Assistent kann keine Entscheidungen fällen. Er macht den Schiedsrichter nur darauf aufmerksam, dass er sich die eine oder andere Spielszene noch einmal genau anschauen soll. Zum Beispiel, ob ein Foul tatsächlich außerhalb des Strafraums war oder ob eventuell nicht Freistoß, sondern Elfmeter die richtige Entscheidung ist. Wie gesagt, der Video-Assistent kann nur einen Ratschlag geben, die letzte Entscheidung trägt der Schiedsrichter auf dem Rasen.

Wie hat sich die Situation für das Schiedsrichtergespann auf dem Rasen durch die Einführung des Videobeweises verändert? Steigt durch die genaue mediale Aufarbeitung nicht auch der Druck?

Nein, es erleichtert die Spielleitung eher. Man weiß, dass bei einer Fehlentscheidung noch jemand da ist, der einem hilft. Und Fehler sind nun einmal menschlich und sie passieren immer wieder. Das Ziel eines Schiedsrichters und seiner Assistenten muss es also sein, dass der Videobeweis während eines Spiels nicht zum Einsatz kommt. Dann nämlich hat das Unparteiischen-Team funktioniert und man hat ein fehlerloses Spiel abgeliefert.

Aus Sicht des Schiedsrichters ist der Videobeweis also hilfreich. Aber wie kann man den Fußball-Fans, gerade im Stadion, wo sie keine Zeitlupe haben, erklären, warum eine Entscheidung so oder so getroffen wurde?

Es ist richtig. Für die Zuschauer im Stadion sind vielleicht manche Entscheidungen nicht gleich nachvollziehbar. Das sollte sich ändern. Aber genau daran arbeiten wir gerade.

Im American Football erklärt der Schiedsrichter seine Entscheidungen via Headset und Lautsprechern live im Stadion. Eine Möglichkeit auch im Fußball?

American Football und Fußball sind nicht zu vergleichen. Der Spielfluss beim Football und beim Fußball ist völlig verschieden. Es würde beim Fußball einfach zu viele Unterbrechungen geben. Aber wie gesagt: wir, die DFB-Schiedsrichter, arbeiten daran, Entscheidungen für den Fan so transparent wie möglich zu gestalten.

Edi, vielen Dank für das Gespräch und eine erfolgreiche nächste Bundesligasaison.

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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