„Wir haben Meilensteine gesetzt“ Bleibt Dr. Christian Keller?

Regensburg – Schritt für Schritt etabliert sich der SSV Jahn Regensburg im deutschen Profifußball. Sportlich und finanziell läuft es so gut wie nie. Nebenbei investiert der Verein in die Zukunft, modernisiert unter anderem die Strukturen auf dem Trainingsgelände im Sportpark Kaulbachweg.
Hätte einer dies vor wenigen Jahren so prophezeit, wäre er im besten Fall nur belächelt worden. Der Vater des Jahn-Erfolgs, Dr. Christian Keller, steht nun vor einer wichtigen Entscheidung – verlängert er seinen Vertrag beim Jahn oder nicht?!

Von Mario Hahn

Blizz: Christian Keller, war 2018 schon ein historisches Jahr für den SSV Jahn Regensburg, was war dann 2019? Gibt es eine Steigerung von historisch?

Christian Keller: 2019 war tatsächlich erneut ein erfolgreiches Jahr für den SSV Jahn. Unser Ziel war im zurückliegenden Jahr, in den verschiedensten Bereichen Meilensteine zu setzen, die künftig die Wahrscheinlichkeit darauf erhöhen, den Jahn langfristig im Profifußball verankern zu können. Diesbezüglich sind wir auf allen Ebenen, d. h. sportlich, finanzwirtschaftlich und auch infrastrukturell, gute Schritte vorangekommen.

Was waren Ihre schönsten, was Ihre weniger schönen Erlebnisse im letzten Jahr?

Der sportliche Höhepunkt war sicherlich, dass wir die Zweitliga-Spielzeit 2018/19 mit 49 Punkten, also nochmals mit einem Punkt mehr als in der Vorsaison, abschließen konnten. Damit hat die Mannschaft erneut einen historischen Jahn-Bestwert erreicht. Infrastrukturell war der Baubeginn des neuen Profifunktionsgebäudes am Kaulbachweg ein Meilenstein für die Weiterentwicklung des SSV Jahn. Trotz des sehr positiven Jahresverlaufs gab es aber auch einige Momente, die nicht hätten sein müssen. Ich denke hier unter anderem an das erneute Erstrundenaus im DFB-Pokal, das wir uns und allen Jahn-Fans gerne erspart hätten.

„Gemeinsam etablieren“ – dieses Jahresmotto hat der Jahn für 2019 ausgegeben. Wurde es erfüllt, und welches Motto wird es 2020 geben?

Hinter „Gemeinsam etablieren“ stand ja letztlich genau die gerade beschriebene Idee, 2019 wichtige Meilensteine einzurammen, um die Wahrscheinlichkeit auf eine langfristige Verankerung des SSV Jahn im Profifußball zu erhöhen. Insofern wurde das Jahresmotto tatsächlich erfüllt, wenngleich weitere Meilensteine in den kommenden Jahren folgen müssen, um die über Jahrzehnte entstandene finanzwirtschaftliche Lücke zum Wettbewerb zu schließen. Bei der Frage nach dem Jahres-Motto 2020 würde ich noch um etwas Geduld bitten. Dieses werden wir wie gewohnt im Lauf des Januars bekanntgeben.

Als „Ausbildungsverein“ muss der Jahn regelmäßig wichtige Spieler ziehen lassen. Im Sommer waren es Pentke, Sörensen, Thalhammer, Fein, Adamyan oder Al Ghaddioui. Im nächsten Sommer wird u. a. Kapitän und „Mentalitätsmonster“ Grüttner die Oberpfalz verlassen. Erklären Sie uns bitte, warum solch ein Aderlass einen Verein wie den Jahn nicht aus der Bahn wirft.

Zunächst einmal kann es für einen Club mit den Voraussetzungen des SSV Jahn im Konzert mit den ganz Großen der Branche nur das Ziel geben, sich als Entwicklungsclub zu positionieren. Also als Club, der jungen Spielern sowie Spielern, die vorher durch das Raster gefallen oder nicht in dem Maße aufgefallen sind, eine Chance gibt. Solchen Spielern wollen wir dabei helfen, ihr Potenzial auszuschöpfen und sie für den nächsten Schritt in ihrer Karriere vorbereiten. Das ist in den vergangenen Jahren erfreulicherweise in vielen Fällen gut gelungen. Warum sollten wir das nicht auch in den nächsten Jahren schaffen können? Das ist jedenfalls der Auftrag, dem wir uns zwangsläufig stellen müssen, wenn wir weiter erfolgreich sein wollen.

Sehr einschneidend war der Wechsel auf der Trainerposition. Sie wussten, dass die Lösung mit Mersad Selimbegovic, sollte es nicht funktionieren, wie ein Bumerang auf Sie zurückfallen würde. Warum sind Sie dieses Risiko dennoch eingegangen?

Diese Entscheidung war eine der risikolosesten, die ich bis dato beim SSV Jahn getroffen habe, weil ich Mersad Selimbegovic so lange kenne, wie ich selbst beim Jahn bin. Das sind inzwischen sechseinhalb Jahre und insofern war mir zum einen vollkommen klar, welch hohe fachlich-methodische Kompetenz er mitbringt, zum zweiten wusste ich ganz genau um seine Charakterstärke und Integrität, zum dritten war die Zeit auch einfach reif, damit Mersad aus der zweiten in die erste Reihe tritt.

Die 2. Liga scheint dieses Mal noch ausgeglichener als im Vorjahr. Reichen 40 Punkte zum Klassenerhalt?

(lacht) Da ich ja auch keine Glaskugel habe, kann ich das natürlich nicht mit Gewissheit prognostizieren. Ich glaube aber schon, dass man am Ende mit 40 Punkten die Klasse halten wird. Unabhängig davon stimmt aber definitiv der Eindruck, dass die Liga in dieser Saison so ausgeglichen ist, wie sie es noch nie war, seit wir in ihr mitspielen dürfen. Die Leistungsdichte ist extrem hoch, deshalb geht es insgesamt nochmal wesentlich enger zu als in den beiden zurückliegenden Saisons. Wir werden daher auch im neuen Jahr um jeden einzelnen Punkt sehr hart kämpfen müssen, um die magische Grenze von 40 Punkten so schnell wie möglich zu erreichen.

Was alle Fans brennend interessiert: Wie geht es mit Christian Keller weiter? Ihr Vertrag endet am Saisonende, Sie wollen zeitnah über Ihre Zukunft entscheiden. Herr Keller, Sie sind seit 2013 Geschäftsführer sowie sportlicher Leiter, Sie haben den Verein dahin gebracht, wo er heute steht – hängen Sie doch nochmals dieselbe Zeit ran und prägen eine Ära beim Jahn Regensburg!

Ich habe mich zu der Frage nach meiner Zukunft in den vergangenen Wochen und Monaten ja bereits des Öfteren geäußert. Aus meiner Sicht ist zum einen ganz wichtig, dass man sich immer wieder selbst hinterfragt und reflektiert, ob man einer Organisation nach so langer Zeit – sechseinhalb Jahre sind im Profifußball eine halbe Ewigkeit – noch positive Entwicklungsimpulse geben kann. Zum zweiten muss ich auch die ein oder andere private Abwägung treffen. Weihnachten war hier eine gute Gelegenheit, um gewisse Dinge mit Familie und Freunden zu besprechen. Im Lauf des Januars kann es deshalb nun eine verbindliche Aussage von mir geben.

Christian Keller, wie immer war es eine Freude. Viel Erfolg im Jahr 2020!

Claudia Böhm

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