Inklusion beginnt bei uns im Kopf

„Fachkräfte für Inklusionspädagogik“: Caritas Regensburg bildet 14 Erzieherinnen aus

Regensburg – In etwa zwei Dritteln der katholischen Kindertageseinrichtungen in der Diözese Regensburg werden Kinder mit Behinderungen betreut. 14 Erzieherinnen haben sich nun bei der Caritas fortgebildet zu Expertinnen für Integration und Inklusion. Sie sind nun frisch gebackene „Fachkräfte für Inklusionspädagogik“.

„Wie stehen sie zu Kindern, die eine Behinderung haben?“ Diese Frage stellte Angelika Schäffer-Gabler, Fortbildungsbeauftragte bei der Caritas, kürzlich im Mehrzweckraum der Caritas-Zentrale in Regensburg. Dort saßen 14 junge Erzieherinnen, die darauf warteten ihre Zertifikate überreicht zu bekommen. Sie alle haben die Weiterbildung „Fachkraft für Inklusionspädagogik“ erfolgreich abgeschlossen. Und sie alle haben die eingangs gestellte Frage in den vergangenen zwei Schulungsjahren für sich beantwortet: Sie sind neugierig auf diese Kinder. Sie sehen genau hin und fragen: Warum bist du, wie du bist? Warum tust du, was du tust? Was macht dich so einzigartig?

In etwa zwei Dritteln der katholischen Kindertageseinrichtungen in der Diözese Regensburg (insgesamt circa 400) betreuen die Erzieher Kinder, die eine geistige oder körperliche Behinderung haben. Das pädagogische Konzept dafür hieß lange Zeit „Integration“, erklärte Schäffer-Gabler, die Fortbildungsreferentin. Dabei versuchte man, die Kinder in das bestehende System zu integrieren. Mittlerweile habe sich das Konzept gewandelt, es heiße „Inklusion“. Dabei werde jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit akzeptiert. Jedes Kind dürfe eine Kindertageseinrichtung besuchen und alle könnten voneinander lernen. „Inklusion ist ein Prozess und eine Frage der Haltung“, sagte Schäffer-Gabler.

Die Caritas Regensburg bietet die Weiterbildung „Integrations- und Inklusionspädagogik“ alle zwei Jahre an. Der aktuelle Lehrgang war der dritte Kurs. Die Weiterbildung besteht aus sechs Modulen à zwei Tagen und umfasst insgesamt 80 Unterrichtsstunden. Alle Teilnehmerinnen schlossen den Kurs mit einer Facharbeit und einer mündlichen Prüfung erfolgreich ab. In den sechs Unterrichtsmodulen lernten die Erzieherinnen einerseits, ihre eigenen Erfahrungen zu reflektieren und bestehende Haltungen zum Thema zu hinterfragen. Anderseits wurden sie tiefergehend theoretisch geschult zu rechtlichen Grundlagen (wie beispielsweise Antragstellungen für zusätzliche Fachkräfte) oder zu medizinischen und psychologischen Themen: Welche verschiedenen körperlichen und geistigen Behinderungen gibt es? Wie grenzen sie sich voneinander ab? Wie und woran erkennt man sie? Zudem erfuhren die Erzieherinnen mehr über die Kooperation mit den Eltern und mit Fachdiensten. Die Referenten des Lehrganges waren Heil- und Sozialpädagogen. Kursbegleitend war Yvonne Esser, Caritas-Fachberaterin für den Bereich Integration/Inklusion, bei allen Modulen dabei. Die Fortbildung fand im Bildungshaus Hermannsberg in Wiesent statt: einem Seminarhaus, das unter anderem von Menschen mit Behinderung betrieben wird.

Bei der Abschlussveranstaltung gratulierten die Referentin Angelika Schäffer-Gabler, der Abteilungsleiter Soziale Einrichtungen bei der Caritas Regensburg, Caritas-Abteilungsleiter Dr. Robert Seitz, die Caritas-Referatsleiterin für Kindertageseinrichtungen, Ursula Lutz. Ernst Würdinger vom Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte in Regensburg ermunterte die Absolventinnen: „Wir dürfen nicht müde werden, diesen Weg zu beschreiten, sondern sollten neugierig bleiben auf diese kleinen Menschen.“ Es waren zudem auch Vertreter der Einrichtungsträger zugegen, darunter Martin Ernst, Kita-Fachberater bei der Caritas Straubing.

 

Mario Hahn

Ich bin Redakteur beim Blizz, Ihrer Wochenendzeitung für Regensburg und Umgebung.

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