Wie Ostbayerns Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes im Blizz-Interview

Die Corona-Pandemie hat die ostbayerische Wirtschaft schwer getroffen

Regensburg – US-Wahl, Brexit – und Corona. 2020 war herausfordernd für die regionale Wirtschaft. Wie es 2021 wieder besser werden kann, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Helmes.

Von Mario Hahn

Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz und Kelheim
Foto: Julia Knorr

Welche Themen – außer Corona – beschäftigten die IHK Regensburg in 2020?
Dr. Jürgen Helmes: Im Hinblick auf die Krise war es umso wichtiger, entscheidende Standortthemen nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Politik muss gerade jetzt bestmögliche Rahmenbedingungen schaffen, damit die regionale Wirtschaft wieder durchstarten kann. Dazu gehören eine zukunftsfähige Breitband-, Mobilfunk- und Verkehrsinfrastruktur oder die Stärkung des Bildungssystems. Denn die Sicherung qualifizierter Mitarbeiter wird die Unternehmen auch nach Corona beschäftigen.
International beschäftigte uns nicht nur der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, mit Blick über den großen Teich hoffen wir mit Joe Biden als US-Präsidenten auf mehr Planungssicherheit und Stabilität in den transatlantischen Beziehungen. Für die Anliegen der Unternehmen setzten wir uns unentwegt ein und boten zahlreiche Infoveranstaltungen sowie Beratungen z.B. zum Brexit an.

Wie ist die Prognose für 2021 bezogen auf Ostbayern?
Dr. Jürgen Helmes: Die Oberpfalz und der Landkreis Kelheim sind mit ihrem Branchenmix grundsätzlich gut aufgestellt. Die Mischung aus global operierenden Großunternehmen sowie einer Vielzahl leistungsfähiger, kleiner und mittelständischer Firmen hat bis dato immer für die notwendige Flexibilität sowie Dynamik des Wirtschaftsraums gesorgt und erweist sich als Eckpfeiler für den allgemeinen Wohlstand. Die weitere Entwicklung des Standorts Ostbayern hängt nun wesentlich davon ab, wie schnell die Wirtschaftsleistung wieder anzieht. Deshalb sollte die Politik nicht nur akute Krisensymptome behandeln, sondern zügig Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ergreifen. Dazu gehört neben dem Abbau bürokratischer Hürden beispielsweise auch, bestmögliche Voraussetzungen für die Unternehmen in den Ortszentren zu schaffen, damit unsere Region auch künftig mit vitalen Innenstädten und Handelsstandorten punktet.

In diesem Jahr könnten viele Firmen insolvent werden.
Dr. Jürgen Helmes: Corona hat die Wirtschaft in vielen Bereichen hart getroffen. Die von den Schließungen betroffenen Branchen stehen besonders unter Druck – darunter Einzelhandel, Gastronomie, Tourismus sowie die Veranstaltungs- und Werbebranche. Mit fortwährendem Lockdown beginnt für zahlreiche Unternehmen ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Corona-Hilfen müssen jetzt endlich in voller Höhe bei den Betrieben ankommen, um Liquidität sowie Arbeitsplätze zu sichern und mögliche Insolvenzen abzuwenden.

Hat die Corona-Krise auch positive Entwicklungen angestoßen bzw. beschleunigt?
Dr. Jürgen Helmes: Ich finde es beeindruckend, mit welchem Unternehmergeist zahlreiche Betriebe die Chancen für neue Geschäftsmodelle nutzen, z.B. bei der Produktion krisenrelevanter Güter. Zudem beschleunigt Corona den Megatrend Digitalisierung. Für die Innovationskraft der Wirtschaft darf jetzt keine Zeit verloren werden, denn die Transformation mitunter ganzer Branchen muss gelingen. Die Politik kann das maßgeblich unterstützen, indem sie neue Technologien konsequent fördert, die Unternehmenssteuern auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau führt und die wirtschaftsnahe Infrastruktur ausbaut. Dabei ist die flächendeckende Versorgung mit Breitband- sowie Mobilfunktechnologien hin zur Gigabitfähigkeit für die regionale Wirtschaft von größter Bedeutung.

“Harter Lockdown bringt weitere Branchen in Bedrängnis”

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